Tischgedeck und Tischsitten

Auf diese Seite findet man zum einen Informationen, was an Besteck, Geschirr und sontigem Gerät an einem Esstisch des 13. Jahrhunderts üblich war und zum anderen, welche Umgangsformen und Sitten an einer Tafel üblich waren. Die meisten Informationen erstrecken sich, ähnlich wie bei überlieferten Rezepten, auf den Bereich des höfischen Essens.

Tischgedeck

Material

Hier stellten wir uns die Fragen aus welchen Materialien verschiedene Dinge des Gedecks gefertigt waren und welcher Stand welche Materialien verwendet hat.

Verwendete Materialien erstrecken sich über eine große Bandbreite von allen möglichen Hölzern (geschnitzt oder gedrechselt), Metallen, Keramik und seltener auch Glas. Unter den einzelnen Gegenständen werden die verschiedenen Materialien auf dieser Seite noch einmal genauer erläutert.

Weitaus interessanter für eine historische Darstellung ist natürlich die Antwort auf die zweite Frage. Grundsätzlich kann man sagen, dass damals wie heute der Preis für einen Gegenstand darüber entschied, ob man ihn sich leisten konnte. Edelmetalle und anfangs auch Glas waren somit eher im Bereich des Adels zu finden. Alle anderen Materialien findet man jedoch ständeübergreifend auf den jeweiligen Esstischen. Der Unterschied hier macht die Art der Verarbeitung: Um so kunstvoller, umso teuerer. (3)

 

Tischwäsche und Sitzpolster

Mittelalterliche Tische des 13. Jahrhunderts, zumindest in festlichem bzw. höfischen Kontext, waren eigentlich immer mit weißen, oft bodenlangen Tischtüchern aus Leinen belegt. Manchmal wurde auch noch eine Überdecke, manchmal auch bestickt, in Größe der Tischeplatte daraufgelegt. (1) (3)

 

Manchmal sieht man in Abbildungen oder liest in historischen Schilderungen von mit Daunen gefüllten Sitzkissen (mhd. plûmît) bei Tisch. Es ist aber eher davon auszgehen, dass dies nicht die Regel war sondern Kissen hauptsächlich zu festlichen Anlässen verwendet wurden. (3) 

Besteck

Zum Besteck des 13. Jahrhundert zählten Messer, Löffel, ggf. Gerät zum Tranchieren bzw. Vorlegen und die Hände. Gabeln wurden in den allermeisten Fällen nicht verwendet, obwohl sie schon bei den Römern bekannt war und zu späterer Zeit bis heute eine Renaissance findet. Spekulationen um eine Begründungen für das Fehlen zu finden sind oft sehr abenteuerlich und meist nicht belegbar. (3) (4) Interessante Informationen und Gedanken zum Thema Gabel im Mittelalter findet man z.B. hier auf der Seite www.blog.histofakt.de

 

Messer waren aus Eisen geschmiedet, an einer Seite scharf und vorne angespitzt. Man kann grundsätzlich zwei Formen für das 13. Jahrhundert unterscheiden: Griffangelmesser und Griffzungenmesser / Griffplattenmesser. Griffangelmesser sind so beschaffen, dass die Klinge des Messer am Griffende in einen langen Docht endet, der vom eigentlichen Griff (meist ein gebortes Stück Horn, Knochen oder Holz) umschlossen wird. Das Ende des Dorns wird entweder umgebogen oder bildete eine Art Platte oder Kopf, damit der Griff hält. Griffzungenmesser dagegen haben keinen Docht sondern eine Art gelochtes Eisen auf das als Griff von beiden Seiten jeweils eine Platte aus Holz, Horn oder Knochen gelegt wird. Die Platten werden druch Nieten mit dem Messer befestigt. Die Form des Griffangelmessers ist statistisch die dominierende Form für das 13. Jahrhundert. (3) (5) Weitere, sehr detailierte Informationen zu Messern findet man z.B. in der Arbeit von Wulf Holtmann.

Messer wurden oft von den Gästen selbst mitgebracht und eher selten vom Gastgeber gestellt. (3)   

 

Löffel waren meist aus Holz geschnitzt, selten aus Metall gefertigt. Sie dienten damals wie heute zur Aufnahme von flüssigen und halbfesten Speisen. Je nachdem wie Stil und Laffe geformt waren, kann man sie sowohl zeitlich als auch in der Art, wie mit ihnen gegessen wurde einordnen. (3)  Laffen konnten entweder schmal oder breit geformt sein und die Stiele entwerder kurz oder lang. Besonders bei kurzen Stielen ist davon auszugehen, dass man den Stiel beim Essen mit der ganzen Faust umschloss, was als gängige Methode fürs Mittelalter gilt. Bei Langstieligen Löffeln ist auch / eher ein Greifen mit Daumen, zeige- und Mittelfinger denkbar, wie es auch heute üblich ist. Die Stiele konnten entwerder einfach geschnitzt oder auch reich verziert sein (z.B. "Krokodillöffel" aus Konstanz). (6)  Interessant ist, dass Löffel in Illustrationen von Festmählern selten bis garnicht auftauchen, obwohl durch archäologische Funde gesichert ist, dass man sie durchaus verwendet hat. (3) 

 

Oft findet man auf Abbildungen des höfischen Festmahls relativ breite Messer mit einem ungewöhnlich geformten Ende (z.B. schwalbenschwanzförmig). Die Messer dienten vermutlich zum  Aufschneiden und Vorlegen des Essens (meist Fleisch oder Brot), oft durch einen Diener oder den Truchsess. (4)

Geschirr

Zum Geschirr, dass auf die Tafel kam gehörten eine Vielzahl von Schalen, Bechern, Kannen und Trinkgefäßen aus verschiedenen Mateialien.

 

Etwas, was man kaum bis garnicht findet sind Teller, auch wenn es sie bereits gab. Als eine mögliche Alternative zu Tellern haben flache Brotscheiben gedient. (2) (3)  Kleine Brotleibe (rund oder halbrund) wurden oft auf den Tischen ausgelegt bevor das Essen aufgetischt wurde. (3)

 

Schalen (flach oder mit Fuß) waren entweder aus Steingut gefertigt bzw. aus Holz gedrechselt oder in Form von Daubenschälchen (Böttcherware bei der Holzplättchen mit Weidenruten zusammgehalten werden, ähnlich wie bei Eimern oder Fässern) in Verwendung. Das selbe gilt auch für Becher. Pokale konnten entweder gedrechselt oder aus Metall gefertigt sein. Es gab sie als einfachen Pokal oder mit hohem Deckel, auch Doppelkopfpokal genannt. (4) Kannen waren oft aus Steingut, kamen aber auch aus Holz in gedrechselter Form vor. (3)  (4)  (6)  Interessant ist, dass man bei hölzernen Gefäßen manchmal Bodenmarken (Buchstaben, Zeichen usw.) findet, die entweder auf den Hersteller oder den Besitzer hinweisen sollten. (3) Frühes Steingut kam aus dem Rheinland bei Siegburg und ist und wurde in weite Teile Europas exportiert. (7) Weitere interessante Informationen und Beispiele zu Keramik aus dieser Zeit findet man z.B. bei www.ilja-frenzel.de.

 

Gläser wurden im Gegensatz zur Antike und späteren Zeiten selten verwendet, waren teuer und meist einfarbig (grün oder hellblau) oder kunstvoll mit Emaille bemalt. Zwei relativ weit verbreitete Trinkglasformen ab dem 13. jahrhundert waren der Nuppenbecher, erkennbar an aufgesetzten Glastropfen an der Außenseite und der Rippenbecher, erkennbar an einem Vertikalen "Rippendekor" aus Glas. (1) (3) (4) 

 

Das von den Gästen benötigte Gerät zum Verspeisen des Essens wurde in der Regel paarweise aufgetischt, d.h. man teilte sich mit seinem Sitznachbarn Schalen, Brot und BecherUm seinen Sitznachbarn beim Essen nicht zu behindern war es z.B. üblich mit der jeweils ihm abgewandten Seite zu essen und zu trinken. (1) (3)     

Handwaschgarnituren

Zu einer mittelalterlichen Tafel gehörte auch die Verwendung von Handwaschgarnituren. Diese bestanden in der Regel aus einer Kanne mit Wasser (Aquamanile), die oft die Form eines Lebewesens hatte und kunstvoll gestaltet war, einer Auffangschale und einem schalförmigen Handtuch aus Leinen, mhd. twehel,(ca. 30 cm breit und 2 m lang). (1) (4) Aquamanile und Auffangschale konnten aus verschiedenen Materialien hergstellt sein, wie z.B. Bronze, Kupfer, Messing oder Steingut. Alternativ zu einer Aquamanile konnte auch eine Schale mit kleinen Ausgußlöchern eingesetzt werden. Manche dieser Schalen waren sogar aufwändig mit Emaille verziert. (3) 

 

Das Händewaschen funktionierte so, dass ein Diener mit Handtuch um den Hals und Schale wie Aquamanile in den Händen zu den Gästen kam und die Schale vor ihnen auf dem Tisch abstellte. Wärend der Gast seine Hände über die Schale hielt goß der Diener ihm Wasser über die Hände bis dieser fertig mit Waschen war. Danach trocknete er sich an dem Handtuch des neben ihm stehenden Dieners ab. (1)  Interessant ist, dass man in Abbildungennier Aquamanilen sieht, die auf einer Tafel stehen. (3)  Eine einfache Erklärung hierfür könnte sein, dass sie nur von Dienern gebracht wurden, wenn sie benötigt wurden und der Diener nach dem Händewaschen mit seiner kompletten Garnitur wieder im Hintergrund verschwand.

Beleuchtung und Dekoration

Als Beleuchtung dienten neben dem Tageslicht damals, Talg- und Öllampen, Kinspäne und  Laternen und Leuchter die mit Kerzen besetzt werden konnten. (4) Letztere werden zwar in der Literatur erwähnt, tauchen aber niemals auf bildlichen Darstellungen auf. (3)    

 

Als Tischdekoration ist außer dem Essen und den dazu notwendigen Gerätschaften nichts für das 13. jahrhundert überliefert. Blumenvasen z.B. finden sich erst ab dem 14. Jahrhundert. (4)

 

In der Literatur findet man Hinweise, dass die Räume durchaus dekoriert wurden, wenn ein Festmahl anstand, z.B. durch Teppiche an Wand und auf Böden, Sitzkissen,  auf dem Boden verstreuten Blumen oder aromatischen Würzstoffen. (3)    

Sitzordnung

Tische wurden entweder als lange Reihe an einer Tafel oder in Einzelgruppen gestellt. Die Dichtung um König Arthus erwähnt darüber hinaus auch eine runde Tischform um keinen Gast zu benachteiligen. Diese Sitzordnung gehört aber vermutlich nur in den Berreich der Fiktion. (4)  Bei der Sitzordnung gab es oft eine feste Reihenfolge, die beim Hausherrn und seinen Ehrengästen in der Mitte als wichtigste Personen begann und mit zunehmendem Abstand eine Rangabstufung beinhaltete. (1) (3)  

Möglicher Ablauf eines festlichen Mahls

  • Vorbreitungen (Aufbau der Tafel mit Tischtuch, Beleuchtung, Dekoration des Raumes ,Eindecken mit Geschirr, Besteck und Brot)
  • Eintreffen der Gäste
  • Begrüßung durch den Truchsess und Einnahme der durch ihn zugewiesenen Plätze, jeweils Paarweise entsprechend einer festgelgten Sitzordnung
  • Auftischen der Speisen und Tranchieren
  • Versorgung der Gäste mit Handwaschmöglichkeiten vor dem Essen
  • Versorgung der Gäste mit Speise durch Diener unter Oberaufsicht des Kämmerers und Getränken unter Aufsicht des Schenks
  • Unterhaltung während es Mahls durch z.B. Musik
  • Versorgung der Gäste mit Handwaschmöglichkeiten nach dem Essen
  • Ggf. Verköstigung der Dienerschaft mit den Resten   (3)

Tischsitten

Im Hochmittelalter gab es einen Teil der Literatur, der sich mit höfischen Benehmen und somit auch Verhaltensregeln zu Tisch beschäftigte. Höfisch ist ursprünglich der Mensch, der zur Gesellschaft des fürstlichen Hofes gehört, dann aber spezialisiert: Der Mensch, der die Qualitäten aufweist, die in dieser Gesellschaft erfordert werden. „hövisch“ steht im Gegensatz zu „dörper“ (Tölpel), der Ritter im Gegensatz zum Bauern. Der höfische Mensch als der gebildete Mensch ist auch der erzogene Mensch. Höfische Existenz ist als Haltung oder Stil zu verstehen. Sie ist eine Gestalt, kein System. Es gibt demnach kein geregeltes Tugendsystem. (3) (8) (9)

Regelwerke

Es gab verschiedene Werke, die sich mit der Erziehung höfischer Menschen und somit auch mit "Tischzuchten" beschäftigten.

 

Eher kurze, lateinisch verfasste Werke der Spätantike und des 12. Jahrhunderts sind z.B.: (9) (10)

  • Disticha Catonis
  • Disciplina clericalis

  • Urbanus Magnus

  • Facetus cum nihil utilius
  • Quisquis es in mensa
  • Phagifacetus

 

Große didaktischen Werke des 13. Jahrhunderts in Volkssprache sind z.B.: (3) (9) (10)

 

 

Im folgenden haben wir aus verschiedenen Werken Regeln aufgelistet, die sich zum Thema "Tischzucht" im höfischen Bereich finden:

 

 

Disciplina clericalis:

  • Schlucke den Bissen nicht herunter, bevor du gut gekaut hast, damit du nicht erstickst.
  • Trinke erst dann, wenn du den Mund leer hast, damit man dich nicht für einen Trunkenbold hält.
  • Sprich nicht mit vollem Mund, damit nicht etwas aus der Mundhöhle in die Luftröhre gerät und zur Ursache deines Todes wird.
  • Wenn du eine Speise, die dir gefällt, in der Schüssel siehst, die vor deinem Tischnachbarn steht, nimm sie dir nicht, damit man dir nicht schlechtes, bäurisches Benehmen vorwirft.
  • Nach dem Essen wasch dir die Hände, weil das hygienisch ist und höfisch-manierlich.

 

Facetus cum nihil utilius:

  • Nicht beiße in das Brot, das du auf den Tisch zurücklegen willst; wische nicht deine von Schleim feuchte Nase mit der Serviette ab.
  • Wische nicht mit der Serviette deine Zähne und deine tränenden Augen ab; trockne nicht deine feuchten Hände mit der Kleidung, mit der du bedeckt bist.
  • Während du ißt, sollst du nicht den Ellenbogen auf den Tisch legen, sondern du sollst aufrecht dasitzen und dem dienen, der neben dir sitzt. Wenn du einen Becher nimmst, soll er mit beiden Händen gefaßt werden und an beiden Seiten, nicht am Rand gehalten werden.
  • Blase nicht in deinen Trank oder deine Speise, damit du nicht beides mit deiner Spucke zu beflecken scheinst.
  • Wer seine Nase säubern oder gerade sich räuspern will, soll den Schleim weit weg werfen, damit nicht irgend jemanden ein Erbrechen überkommt.

 

Quisquis es in mensa:

  • Wer auch immer zu Tisch ist, soll zuerst an den Armen denken; Denn wenn du diesen ernährst, ernährst du, Freund, Gott. Ein satter Mensch weiß nicht, welches Leben ein Bedürftiger führt.
  • Niemand soll vor dem Segen mit dem Essen beginnen,
  • Und nicht soll er Platz nehmen außer auf jenem, den ihm der Hausherr anweist.
  • Fange nicht zu essen an, bis dir die Schüsseln vorgesetzt sind,
  • und saubere Finger und gesäuberte Nägel sollst du haben.
  • Der Bissen, der in der Schüssel berührt worden ist, soll nicht zurückgelegt werden.
  • Nicht sollst du die Ohren oder Nase mit bloßen Fingern berühren.
  • Nicht sollst du vor den Tischgenossen die Zähne säubern mit einem scharfen Eisen.
  • Das Salz im Salzgefäß soll nicht mit einer Speise berührt werden.
  • Wenn du trinkst, dies wiederhole ich, hüte dich am Tisch zu rülpsen.
  • Du sollst wissen, daß es verboten ist, die Ellbogen auf den Tisch zu legen.
  • Gesetzlich angeordnet ist, daß eine Schüssel nicht zum Mund geführt wird.
  • Wer trinken will, muß vorher den Mund leeren und vorher sind dessen Lippen abzuwischen.
  • Nicht kann ich verschweigen, daß er einen Knochen nicht mit den Zähnen zerfleische.
  • Nicht sollst du irgendeinem ein Wort sagen, das diesem bitter aufstößt, damit nicht irgendeiner zürnt oder Streit entsteht.
  • Befleißige dich einer heiteren Miene, lache dennoch niemanden aus.
  • Wenn du wenig sprichst, wirst du deinen Tischgenossen umso angenehmer sein.
  • Wenn der Tisch aufgehoben ist, wasche erst die Hände, später trinke.
  • Der soll vom Tisch ferngehalten werden, der diese Lehren mißachtet.

 

Der welsche Gast:

  • Auch eine Dame soll nicht viel sprechen, vor allem nicht beim Essen.
  • Man soll sich bei Tisch richtig benehmen. Dazu gehört eine sehr gute Erziehung.
  • Ein guter Hausherr soll darauf achten, daß jeder genug hat.
  • Wer zu essen beginnt, soll nichts als seine eigenen Speisen mit der Hand anfassen.
  • Man soll das Brot nicht essen, bevor man die ersten Gerichte bringt.
  • Ein Mann soll sich nicht beide Seiten des Mundes vollstopfen.
  • Er soll nicht trinken und nicht sprechen, wenn er etwas im Mund hat.
  • Wer beim Zutrinken den Becher nicht vom Mund absetzt, den hat der Wein dazu verleitet. Trinkend aus dem Becher schauen ist nicht höfisch.
  • Ein Mann soll nicht so gierig sein, daß er seinem Gefährten etwas wegnimmt, was ihm appetitlich aussieht. Man soll seinen Teil essen.
  • Man soll mit der [dem Gefährten] entgegengesetzten Hand essen. Sitzt der Gefährte rechter Hand, esse man mit der anderen.
  • Man soll nicht mit beiden Händen essen.
  • Man soll auch nicht zu gierig sein, so daß man in die Schüssel greift, während der Gefährte hineingreift, denn er nimmt seine sofort heraus.
  • Der Hausherr soll nicht auftischen, was seine Gäste nicht mögen.
  • Nach dem Essen soll der Hausherr Wasser reichen.
  • Da soll sich aber kein Knappe waschen. Ein junger Adeliger soll sich in einem gewissen Abstand zu den Rittern ohne Aufhebens die Hände waschen. Das ist höfisch und den Augen wohlgefällig.

 

Tannhäusers Hofzucht:

  • Nicht zusammen mit einem anderen von ein und demselben Löffel essen.
  • Beim Essen rülpst man nicht und schnäuzt auch nicht in Tischtuch.
  • Wer nicht imstande ist, mit dem Löffel eine Speise aufzunehmen, der schiebe sie nie mit den Fingern darauf.
  • Bevor du trinkst, wische dir den Mund ab, damit das Fett nicht in den Weinbecher tropfe.
  • Es ziemt sich nicht, während des Essens auf dem Tisch zu liegen.
  • Beim Essen kratzt man sich nicht mit der bloßen Hand, wenn etwas an der Kehle zwickt. Zwickt es so stark, dass man kratzen muss, kratzt man sich besser mit dem Gewand.
  • Kein angebissenes Brot wieder in die Schüssel einzutunken.
  • Wer gerade Essen im Munde hat, der trinke nicht wie das Vieh.
  • Aus der Schüssel zu trinken, sich über die Schüssel zu beugen, beim Kauen zu schmatzen gehört sich nicht.
  • Wer ein Stück abbeißt und den Rest wieder in die Schüssel wirft, ißt wie ein Bauer.
  • Einen abgenagten Knochen wieder in die Schüssel zu legen, ist ein Verstoß. In den Senf und in
  • Die Sauce soll man nicht mit den Fingern greifen.
  • Beim Essen rülpsen und ins Tischtuch schneuzen, gehört sich nicht.
  • Auch beim Essen schnaufen und schmatzen, verstößt gegen die Zucht.
  • Beim Essen soll man nicht reden.
  • Man soll bei Tisch auch nicht streiten.
  • Es verstößt gegen die guten Sitten, das Brot beim Schneiden an den Leib zu halten.

 

Zusammenfassend kann man folgende, grundlgegende Anliegen des höfischen Umgangs bei Tische aus den damals bekannten Regularien herauslesen:

  • Sauberkeit / Hygiene (z.B. Handwaschungen, das bei sich behalten von Körperflüßigkeiten, nicht ins Essen greifen)
  • Maßvolles Essen (z.B. Nicht gierig sein, nur seinen Anteil Essen, nicht zu früh anfangen, nicht den Mund vollstopfen)
  • Ästhetisches Essen (z.B. Nicht schmatzen, nicht schnäuzen, nicht schnaufen,  nicht "fressen" bzw. "saufen")
  • Gepflegte Kommunikation (z.B. Nicht streiten, wenig oder überhaupt nicht reden, heiter sein)

Tischgebet

Da das Hochmittelalter stark vom christlichen Glauben gepärgt war, ist es nicht unwahrscheinlich das vor (den meisten) Mahlzeiten auch außerhalb des Klosters, gebetet wurde. Aus manchen Werken sind uns Tischgebete bzw. Tischsegen überliefert: (1) (3)

 

 

Tannhäusers Hofzucht:

"ze dem ezzen solt ir sprechen sus,

als ir dar zuo gesezzen sît,

'gesegene uns her Jesu Christus'"

 

"Wenn ihr euch zum Essen setzt,

sollt ihr sprechen:

Segne uns Herr Jesus Christus."

 

 

Willehalm (Wolfram von Eschenbach):

"er wunschte daz der gotes segen

ir spîse in lieze wol gezemen"

 

 

Benedicite (Klösterliche Regel, Empfehlung in Freindanks Bescheidenheit):  (11)

"BENEDICITE, omnia opera Domini, Domino; laudate et superexaltate eum in saecula.

BENEDICITE, caeli, Domino, benedicite, angeli Domini, Domino.

BENEDICITE, aquae omnes, quae super caelos sunt, Domino, benedicat omnis virtutis Domino.

BENEDICITE, sol et luna, Domino, benedicite, stellae caeli, Domino.

BENEDICITE, omnis imber et ros, Domino, benedicite, omnes venti, Domino.

BENEDICITE, ignis et aestus, Domino, benedicite, frigus et aestus, Domino.

BENEDICITE, rores et pruina, Domino, benedicite, gelu et frigus, Domino.

BENEDICITE, glacies et nives, Domino, benedicite, noctes et dies, Domino.

BENEDICITE, lux et tenebrae, Domino, benedicite, fulgura et nubes, Domino.

BENEDICAT terra Dominum: laudet et superexaltet eum in saecula.

BENEDICITE, montes et colles, Domino, benedicite, universa germinantia in terra, Domino.

BENEDICITE, maria et flumina, Domino, benedicite, fontes, Domino.

BENEDICITE, cete, et omnia, quae moventur in aquis, Domino, benedicite, omnes volucres caeli, Domino.

BENEDICITE, omnes bestiae et pecora, Domino, benedicite, filii hominum, Domino.

BENEDIC, Israel, Domino, laudate et superexaltate eum in saecula.

BENEDICITE, sacerdotes Domini, Domino, benedicite, servi Domini, Domino.

BENEDICITE, spiritus et animae iustorum, Domino, benedicite, sancti et humiles corde, Domino.

BENEDICITE, Anania, Azaria, Misael, Domino, laudate et superexaltate eum in saecula.

BENEDICAMUS Patrem et Filium cum Sancto Spiritu; laudemus et superexaltemus eum in saecula.

BENEDICTUS es in firmamento caeli et laudabilis et gloriosus in saecula.

Amen."


Im folgenden werden die meisten Dinge unseres Tischgedecks aufgeführt. Da wir uns Mühe geben uns möglichst nah an Gegebenheiten des 13. Jahrhunderts anzunähern sind die meisten Gegenstände Originalen aus der Zeit nachempfunden. Gleichzeitig versuchen wir unseren Bestand ständig zu erweitern und verbessern und wissen, dass leider noch nicht alles perfekt ist... ;)

 

Gerne stehen wir für Rückfragen zur Verfügung.


Quellen:

1 -  Fischer, Doris: Kochen wie im Mittelalter, Geschichte Zutaten, Rezepte. Darmstadt, 2015. (Webseite der Autorin)

2 - Rüffer, Jens: Orbis Cisterciensis - Zu Geschichte der monastischen ästhetischen Kultur im 12. Jahrhundert, Lukas verlag, 1999. (Leseprobe)

3 - Schulz, Anne: Essen und Trinken im Mittelalter (1000-1300), Literarische, kunsthistorische und archäologische Quellen. De Gruyter, Berlin 2011. (Leseprobe)

4 - Trauth, Gösta Ditmar: Alltag und Sachkultur des Mittelalters, Teil 1 Alltagsaspekte von Adel bis Zimmermann. Münster 2006.

5 -Holtmann, Wulf: Untersuchung zu mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Messern. Göttingen 1993. (Als PDF frei online)

6 - Müller, Ulrich: Holzfunde aus Freiburg und Konstanz. Stuttgart 1996.

7 - https://www.ilja-frenzel.de/?page_id=952

8 - De Boor, Helmut: Geschichte der deutschen Literatur (Band 2), C.H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1953.

9 - http://resikom.adw-goettingen.gwdg.de/Quellenband/Sonderdrucke/HS_35.pdf

10 - https://de.wikipedia.org/wiki/Tischzuchten

11 - https://en.wikipedia.org/wiki/Benedicite