Küchenutensilien

Dieser Abschnitt beschäftigt sich damit, wie eine  Küche im 13. Jahrhundert ausgesehen haben könnte und was alles an Gerätschaften dazu gehört hat. Ein Unterschied, der zu Beginn Angesprochen werden sollte ist der des mittelalterlichen Kochens in einem Haus und Unterwegs auf dem Feld. Da Zweiteres für uns häufiger in Frage kommt sind unsere Utensilien und Gerätschaften oft auf eine platzsparende Mitnahme zugeschnitten. In einer festen Küche fallen manche von ihnen mit Sicherheit Größer aus und es gibt mehr Variation.

 

Die Küche im Haus

Die Küche war im Mittelalter in der Regel nicht vom restlichen Haus getrennt, wie wir es heute kennen. Die Arbeit darin war in der Regel sehr beschwerlich. (3)

 

Die Kochstellen befanden sich in der Regel im Erdgeschoss eines Hauses und waren meist ebenerdig. Im einfachsten Falle war die Herdstelle eine einfache mit Lehm bestrichene Kuhle in der ein Holzfeuer gemacht wurde.

Rauchabzüge waren bei mehrgeschössigen Häusern notwendig. Bei eingeschössigen Häusern zog der Rauch oft durch das Dachgebälk ab. (2) (3) Eine gesundheitliche Belastung war die Folge, da der Rauch meist das komplette Haus ausfüllte. In einem Sprichwort aus dem 11. Jahrhundert heißt es z.B.: "Summa damna tria domus, imber, mala femina, fumus." (Drei Dinge machen ein Haus ungemütlich: Regen, schlechte Frauen, Rauch). (3)

 

Backöfen waren nicht in jedem Haus vorhanden. Besonders in Städten war das Brotbacken oft auf gewerbliche Bäckereien ausgelagert. (3) Ein Backofen war damals eine meist runde oder ovale lehm- oder Steinkuppel ohne zusätzlichen Kamin, die eine offene Herdstelle überspannte. (2) (3) Da er nur aus einer "Kammer" bestand, wurde darin zuerst das Feuer entzündet. War dieses wieder erloschen wurde der aufgeheizte Ofen von der Asche gereinigt damit man danach darin backen konnte. (3)

Der Ofen diente zum Backen, Heizen, Kochen und Dörren. Backöfen gab es in der Küche, in einem extra Raum oder in seperaten Häusern, die teilweise von mehreren Haushalten bzw. dem ganzen Dorf genutzt wurden. (2) (3) Im Westerwald sind solche Backhäuser als "Backes" bekannt.

Die Küche Unterwegs

Die Küche unterwegs unterschied sich im Wesentlichen nicht von einer einfachen Küche im Haus. Der Hauptunterschied dürfte die Transportfähigkeit gewesen sein, was eine gewisse Vereinfachung der Utensilien vermuten lässt. Eine Kochstelle im Felde bestand im einfachsten Fall aus einer Feuergrube über der man Töpfe an einem Gestell aufhängen konnte bzw. in die Grapen oder Grillroste gestellt werden konnten. Da Feuergruben bei den meisten Veranstaltern nicht erlaubt sind, behelfen wir uns mit der vorgeschriebenen jedoch unhistorischen Variante der Feuerschale.

Die Existenz transportabler Backöfen auf Wägen sind zwar belegt aber dürfte auf keinen Fall die Regel gewesen sein.

Küchenutensilien

Aus archäologischen Funden, Abbildungen und texten der damaligen Zeit ergeben sich Vorstellungen, was alles an Werkzeug zu einer Küche des 13. Jahrhunderts dazugehört hat. Eine komplett erhaltene Küche ist leider so noch nicht gefunden worden.

In dem Traktat "De nominibus utensilium" des britischen Gelehrten Alexander Neckam (1157-1217) wird eine komplette / ideale Küchenausstattung beschrieben: (1)

  • Ein Tisch zur Vorbereitung der Speisen (besonders Gemüse)
  • Töpfe
  • Dreifüßige Kessel
  • Ein Beil
  • Ein Mörser mit Mörserkeule
  • Eine Stange
  • Ein Haken
  • Eine Fleischgabel
  • Eine Bratpfanne
  • Ein Bronzekessel
  • Eine Schale
  • Ein Tiegel
  • Ein kleiner Bratrost
  • Ein kleiner Krug
  • Eine Platte
  • Eine Trinkschale
  • Ein Fass mit Lake
  • Ein messer mit dem Fische ausgenommen werden können
  • Ein großer Kochlöffel zum Abschöpfen von Schaum
  • Ein verschließbarer Schrank für Gewürze, Mehl und Brot zum Füttern der Fische
  • Ein Rost zur Fleischverarbeitung (Tiere ausnhemen, Geflügel abbrühen)
  • Verschiedene Mühlen
  • Eine Reibe
  • Ein Gulli

Ein gesonderter Vorratsraum sollte folgende Dinge enthalten:

  • Wolltücher
  • Handtücher
  • Tischtücher
  • Kleidung an einer Stange aufgehängt zum Schutz vor Mäusen
  • Mehrere Messer
  • Ein Salzstreuer oder ein geschnitztes Salsfass
  • Ein Käsebehälter
  • Ein Leuchter
  • Eine Blendlaterne
  • Tragekörbe
  • Große Steingutkrüge
  • Weinschläuche
  • Fässer
  • Trinkbecher
  • Große Körbe
  • (Koch-)Löffel
  • Saugröhrchen
  • Schüsseln
  • Kleine Körbe
  • Ungemischte Weine
  • Vergorene Getränke wie z.B. Cider
  • Bier oder Ale
  • Most
  • Honigwein
  • Claret
  • Nektar
  • Würzwein
  • Met oder Hydromellum
  • Birnenmost
  • Rosé
  • Wein mit Eisen versetzt
  • Farlerner
  • Gewürznelkenwein

 

Weitere Gegenstände, die aus archäologischen Funden, Abbildungen und / oder Texten des Hochmittelalters bekannt sind, sind:

  • Schneidebretter
  • Pfannenwender
  • Blasebalge
  • Schürzen
  • Siebe / Seis aus Keramik,  Strohgeflecht oder Pferdehaar
  • Grapen (3)
  • Quirle
  • Feuerstahle und Flinte
  • Mollen
  • Eimer
  • Reisigbesen
  • Brotschieber
  • Schweineblasen
  • Säcke
  • Trichter
  • Keramikbräter / Fettpfannen (3)
  • Amphoren (3)
  • Kugeltöpfe aus Keramik zum Kochen und Aufbewaren von Lebensmittel, besonders für unsere Region (3)

Im folgenden werden die meisten unser Küchenutensilien aufgeführt. Da wir uns Mühe geben uns möglichst nah an Gegebenheiten des 13. Jahrhunderts anzunähern sind die meisten Gegenstände Originalen aus der Zeit nachempfunden. Gleichzeitig versuchen wir unseren Bestand ständigzu erweitern und verbessern und wissen, dass leider noch nicht alles perfekt ist... ;)

 

Gerne stehen wir für Rückfragen zur Verfügung.


Quellen

1 - Rüffer, Jens: Orbis Cisterciensis - Zu Geschichte der monastischen ästhatischen Kultur im 12. Jahrhundert, Lukas Verlag, 1999. (Leseprobe)

2 - Fischer, Doris: Kochen wie im Mittelalter, Geschichte Zutaten, Rezepte. Darmstadt, 2015. (Webseite der Autorin)

3 - Schulz, Anne: Essen und Trinken im Mittelalter (1000-1300), Literarische, kunsthistorische und archäologische Quellen. De Gruyter, Berlin 2011. (Leseprobe)